Bienen
(Colletidae, Andrenidae, Halictidae, Melttidae, Megachilidae, Apidae)

Die oligolektische Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi) besucht verschiedene Glockenblumenarten (Campanula ssp.).
© Ch. Venne
Die oligolektische Sandbiene Andrena clarkella (W ) sammelt Pollen an blühenden Weiden (Salix ssp.).
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Wespenbiene Nomada leucophthalma (W) dringt in ein Nest der Sandbiene Andrena clarkella ein.
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Die Mauerbiene Osmia bicolor (W) nistet in leeren Schneckenhäusern.
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Männchen der Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius) patroulliert auf der Suche nach Weibchen geeignete Nistplätze ab.
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Weltweit wird die Zahl der Bienenarten auf ca. 20.000 geschätzt, von denen bisher ca. 560 in Deutschland nachgewiesen wurden.

Im Unterschied zu den besonders bekannten sozialen Bienenarten (z.B. die domestizierte Honigbiene oder Hummeln) lebt der überwiegende Teil der Bienen solitär. In diesem Falle legt jedes Weibchen für sich Brutzellen in verschiedenen Nistsubstraten an, die es mit Pollen oder Nektar verproviantiert und anschließend mit einem Ei belegt. Die daraus schlüpfende Larve ernährt sich von dem eingetragenen Vorrat, verpuppt sich und entschlüpft der Brutzelle nach der Puppenruhe als Vollinsekt. Neben diesen zwei Lebensformen (sozial und rein solitär) existieren bei den Bienen jedoch zahlreiche Zwischenstufen (z.B. gemeinschaftliches Abwehrverhalten benachbarter Weibchen, Gemeinschaftsnester solitärer Arten, Wachdienste am Eingang von Gemeinschaftsnestern).

Die Arten haben sich dabei im Laufe der Evolution auf bestimmte Nistsubstrate spezialisiert, an die sie heute mehr oder weniger gebunden sind. So legen zahlreiche Arten ihre Nester grabend im Boden oder in Käferfraßgängen im Totholz an. Darüber hinaus nisten Bienenarten in hohlen Pflanzenstängeln, in Schneckenhäusern oder in selbst getöpferten Lehmzellen.

Eine weitere Spezialisierung erfolgte bei zahlreichen Arten der rein vegetarisch lebenden Bienen hinsichtlich des Blütenbesuchs besonders der Weibchen. Neben den Arten, die Pollen als Proviant für ihre Brut an Pflanzen aus verschiedenen Pflanzenfamilien sammeln (Polylektie), haben viele andere Arten sich morphologisch und in ihrem Sammelverhalten an Blüten einer Pflanzenfamilie (Oligolektie) oder im Extremfall sogar einer Pflanzengattung (Monolektie) angepasst. Dadurch sind bei zahlreichen Arten enge Bindungen an die Pollenquelle und damit auch Abhängigkeitsverhältnisse entstanden, die heute vielfach zur Erhöhung des Gefährdungspotenzials dieser Arten beitragen.

Wichtige Pollenquellen in OWL (in Klammern die Zahl der Arten, die an die entsprechende Pollenquelle gebunden sind):

  • Korbblütler - Asteraceae (16)
  • Schmetterlingsblütler - Fabaceae (11)
  • Weidengewächse - Salicaceae: Salix (9)
  • Glockenblumengewächse - Campanulaceae (6)
  • Heidekrautgewächse - Ericaceae: Calluna, Erica, Vacciunium (3)
  • Boretschgewächse - Boraginaceae: Echium (2)
  • Kardengewächse - Dipsacaceae: Knautia, Scabiosa (2)
  • Primelgewächse - Primulaceae: Lysimachia (2)
  • Doldengewächse - Apiaceae (1)
  • Efeugewächse - Araliaceae: Hedera (1)
  • Kürbisgewächse - Cucurbitaceae: Bryonia (1)
  • Lippenblütler - Lamiaceae (1)
  • Nachtkerzengewächse - Onagraceae: Epilobium (1)
  • Wegerichgewächse - Plantaginaceae: Veronica (1)
  • Hahnenfußgewächse - Ranunculaceae (1)
  • Resedengewächse - Resedaceae: Reseda (1)

Bei zahlreichen Arten haben sich zudem ausgeprägte Formen des Parasitismus entwickelt. Ganze Gattungen von Bienen (z.B. Sphecodes, Nomada, Stelis) beschränken sich vollständig darauf, Brutzellen anderer Bienen (oft spezifischer Arten) aufzusuchen und mit ihrem Ei zu belegen. Die Larven dieser „Kuckucksbienen“ schlüpfen in der Regel etwas schneller als die Wirtslarve. Die Parasitenlarve ernährt sich vom Wirtsei oder der Wirtslarve und von dem durch die Wirtsbiene eingetragenen Proviant. Arten dieser parasitisch lebenden Gattung kann man häufig an den Nestern ihrer Wirtsarten antreffen.