Goldwespen (Chrysididae)

Goldwespe Chrysis ignita zusammengerollt (Abwehrhaltung)
© Ch. Venne
Die Goldwespe Chrysis viridula tritt als Parasitoid bei Schornsteinwespen (Odynerus ssp.) auf.
© Ch. Venne
Chrysura trimaculata parasitiert die Brutzellen schneckenhausbewohnende Mauerbienen (z.B. Osmia bicolor).
© Ch. Venne

Die Goldwespen, die nicht zu unrecht auch als „fliegenden Edelsteine“ bezeichnet werden, sind mit über 3000 Arten weltweit verbreitet. Für Deutschland sind bisher knapp 100 Arten bekannt. Die Zahl der Arten schwankt in der Literatur jedoch, da aufgrund der Revision von KUNZ (1994) zahlreiche Arten synonymisiert wurden. Neuere Erkenntnisse ziehen dieses Vorgehen jedoch in Zweifel. Die Angaben in dieser Datenbank beziehen sich auf die Nomenklatur von LINSENMAIER und NIEHUIS. Unterschiede zu KUNZ zeigen sich besonders bezüglich der Aufspaltung der Chrysis ignita-Gruppe. Diese wird bei LINSENMAIER und NIEHUIS in eine weit größere Zahl valider Arten aufgetrennt, als dies bei KUNZ geschieht. Bei Veröffentlichungen über Goldwespen ist also immer zu beachten auf welche Nomenklatur sich der Autor bezieht. Dies hat auch zufolge, dass viele Literaturangaben, die sich auf die Nomenklatur von KUNZ beziehen, bezüglich taxonomisch umstrittener Arten ohne Prüfung des Tieres nicht zu verwenden sind.

Ranghöchste Schwestertaxa innerhalb der Goldwespen sind die Cleptinae und die Chrysidinae.

Bei den Cleptinae handelt es sich um Wespen, die bezüglich ihrer Lebensweise und Merkmalsausprägung als sehr ursprünglich gelten. Ihnen fehlt teilweise die Metallfärbung und es sind bei den Weibchen 4 und bei den Männchen 5 Hinterleibstergite sichtbar. Die mit 2 Arten in Westfalen vertretene Gattung Cleptes parasitiert Larven von Blattwespen. Aufgrund ihrer versteckten und unauffälligen Lebensweise liegen aber nur wenige Nachweise dieser sicherlich nicht seltenen Arten vor.

Bei den Chrysidinae ist in der Regel der gesamte Körper metallisch gefärbt und es sind nur 3 Hinterleibstergite sichtbar. Alle Vertreter dieses Taxons leben parasitisch bei anderen Stechimmen. In Mitteleuropa kommen als Wirte Bienen (Apiformes), Grabwespen (Spheciformes), Lehmwespen (Eumeninae) und Honigwespen (Masarinae) in Frage. Eine Reihe mutmaßlicher Parasit-Wirt-Beziehungen mit verschieden Goldwespen weist z.B. die Schornsteinwespe Odynerus spinipes auf. In Ostwestfalen-Lippe findet man z.B. die Goldwespe Chrysis viridula an den Nistplätzen von Odynerus spinipes. Dabei taucht dieser Parasitoid in der Regel erst nach Beendigung der Flugzeit des Wirtes auf und ortet die oft in Steilwänden verborgenen Brutzellen olfaktorisch. Diese werden geöffnet, parasitiert und wieder verschlossen. Als weitere in Ostwestfalen-Lippe nachgewiesene und bei Odynerus spinipes vermutete Goldwespen sind Chrysis mediata, Chrysis solida und Pseudospinolia neglecta zu nennen. Bei der Goldwespe Hedychrum rutilans lässt sich neben der bereits beschriebenen Strategie vorhandene Brutzellen zu parasitieren auch eine zweite Strategie beobachten. Die Weibchen nähern sich im Fluge den von der erfolgreichen Jagd auf Honigbienen zurückkehrenden Bienenwolfweibchen (Philanthus triangulum, eine Grabwespe) um noch vor der Verproviantierung ein Ei am Beutetier anzuheften.

Gut dokumentiert sind auch die Wirt-Parasit-Beziehungen zwischen den schneckenhausbewohnenden Bienenarten der Gattung Osmia und den diese parasitierenden Goldwespen der Gattung Chrysura.